Buchvorstellung: ĐẠI HỌC (UNIVERSITÄT) von Nguyễn Xuân Xanh

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BUCHVORSTELLUNG

ĐẠI HỌC oder UNIVERSITÄT

NGUYỄN XUÂN XANH

 

Die Universität ist eine Schule, aber eine einzigartige Schule. An ihr soll nicht nur unterrichtet werden, sondern der Schüler an der Forschung teilnehmen und dadurch zu einer sein Leben bestimmden wissenschaftlichen Bildung kommen. Die Schüler sind der Idee nach selbständige, selbstverantwortliche, ihren Lehrern kritisch folgende Denker. Sie haben die Freiheit des Lernens.

Die Universität ist die Stätte, an der Gesellschaft und Staat das hellste Bewußtsein des Zeitalters sich entfalten lassen. Dort dürfen als Lehrer und Schüler Menschen zusammenkommen, die hier nur den Beruf haben, Wahrheit zu ergreifen. Denn daß irgendwo bedingungslose Wahrheitsforschung stattfinde, ist ein Anspruch des Menschen als Menschen.

Die Mächte in Staat und Gesellschaft sorgen aber zugleich für die Universität, weil dort die Grundlage für die Ausübung staatlicher Berufe gewonnen wird, die wissenschaftliches Können und geistige Bildung verlangen.

KARL JASPERS

 

Kurz vor dem vietnamesischen Tếtfest zum Jahr des Schweins 2019 ist mein Buch

“UNIVERSITÄT – INSTITUTION DER HÖHEREN BILDUNG,

WELCHE DIE WELT VERÄNDERT”

erschienen. Es handelt sich um die 900jährige Geschichte der Universität, vom Mittelalter bis heute, im Westen wie im Osten. Universitäten, welche wir heutzutage überall vorfinden, sind ursprünglich ein eigentümliches intellektuelles Produkt des mittelalterlichen christlichen westlichen Europas, welches keine andere Zivilisation der Welt kennt. Im 12. und 13. Jahrhundert, nachdem das Abendland das Joch der Finsteren Zeit abschütteln konnte, die Wirtschaft aufblühte, die politische Stabilität gewährleistet wurde, sind die Universitäten als universitas – d.h. durch das freiwillige Zusammenkommen der Gelehrten und Studenten mit dem Interessen – enstanden, Bildung voranzutreiben. Universitas hat anfänglich nicht die Bedeutung der Universität wie später, sondern den Charakter einer Zunft wie die in der handwerklichen Produktion oder des Handels. Zünfte haben damals einen sehr progressiven Charakter und sind autonome Organisationen.

Das wesentliche Ziel der Universität ist zunächst eine liberale Erziehung anzubieten, wie man sie nennt. Liberal, weil sie den Menschen vom Unwissen und den engen alltäglichen Interessen befreit, damit er freier Mensch wird. Der Lehrplan sieht in erster Stufe die Grammatik, Rhetorik und die Logik vor, welche das Trivium bilden, dann in der zweiten Stufe die Arithmetik, Geometrie, Astronomie und die Musik as Quadrivium. Zusammen wurden die Fächer als septem artes liberales – sieben Freie Künste – genannt. Der Student soll dadurch Qualifikationen erlangen wie das logische, selbständige und kritische Denken. Disputationen im Seminar wie in der Prüfung sind charakteristische Züge des Lernens. Die liberale Erziehung dient dann als Vorbereitung auf höhere Studien an juristischen, medizinischen oder theologischen Fakultäten.

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Das Buch UNIVERSITÄT, vom Verlag Ho Chi Minh Stadt, 570 Seiten, 185.000 VND (Eur 7.00)

Universitäre Bildung hat in den Augen der Kirchenväter eine höhere spirituelle Bedeutung: nämlich das zu verstehen woran man glaubt wie Anselm, der Erzbischof von Canterbury, erklärte. Die Vernunft ist eine göttliche Gabe, um Gott und sein Reich zu verstehen, und dadurch, den Glauben zu begründen sowie zu verteidigen. Die Kirche wollte eine rationelle, ja intellektuelle Religion haben. Langsam durchdrang damit Wissenschaft die Kirche, obwohl sie der Theologie offiziell nur als Magd diente. Die historische zwei Jahrhunderte dauernde Übersetzung Griechischer Werke von Aristoteles, Euklid, Ptolemaios, Galen, etc. gab den entscheidensten Anstoß in der Verwissenschaftlichung der Universität. Wissenschaft wurde die antreibende Kraft und hielt die Entwicklung der Universität für die nächsten Jahrhunderte dynamisch aufrecht. Hier sieht man den fundamentalen Unterschied zu anderen Zivilisationen: Ohne Wissenschaft gebe es keine Universität; und ohne Universität könne sich keine Wissenschaft entwickeln.

Es ist – nebenbei bemerkt − ganz überraschend, daß sich europäische Universitäten das wissenschaftliche heidnische Erbe des antiken Griechenlands voll und ganz aneigneten, wohl aber verständlicher, wenn man bedenkt, daß das Christentum eigentlich in der dominierenden hellenistischen Kultur geboren und mehrere Jahrhunderte unter ihrem Einfluß gross geworden war. Das einzige zivilisatorische Milieu war hellenistisch, durchdrang Menschen, Geist und Institutionen, wenn man wollte oder nicht. Der Prozeß der Christianisierung der Griechisch-spechenden Welt ist mit dem der Hellenisierung der Christlichen Religion eng verbunden. Das Neue Testament wurde sogar in Griechisch geschrieben, nicht in Hebräisch oder Aramäisch, die Sprache, welche Jesus sprach. Deshalb kann die mittelalterliche Aneignung des wissenschaftlichen griechischen Werks als die natürliche Fortsetzung des früheren kulturellen Durchdringungsprozesses (cultural osmosis) verstanden werden. Erstaunlich genug bleibt allerdings, daß das Licht der Wissenschaft nach tausendjähriger finsterer Zeit der Unterbrechung nicht gänzlich gelöscht wurde, sondern wieder neu aufflackerte, zum Wohl der Menschheit.

Mit der Zeit entwickelte sich die Wissenschaft Schritt für Schritt jedoch außerhalb der kirchlichen Kontrolle. Die Kulturmatrix des 16. Und 17. Jahrhunderts erreichte ihre Grenzen, ist zu eng und für Umwälzung reif geworden. Der grosse Aufstand gegen die Römische Kirche ist, neben dem der Reformation, von den frommen Wissenschafltern wie Copernicus und Galilei getragen. Sie richteten sich gegen bestimmte kirchliche Dogmen in der Bibel sowie die des Aristoteles in seiner Wissenschaft, welche bis dahin als ein unantastbarer Schutzwall diente.

Nach mehreren Jahrhunderten hat der Westen Menschen mit Eigenschaften herangebildet wie Vernunftsdenken, Wahrheitsliebe, Wahrheitssuchen, und wenn nötig, die Bereitschaft, sich für sie aufzuopfern. Die Revolte des 16. und 17. Jahrhunderts ist der ausdrücksvolle Beweis dafür. Die Wahrheit soll nicht verheimlicht oder vertuscht werden. Sie war eben nicht minder eine göttliche Offenbarung.

Nun, nachdem Isaac Newton in seinem epochalen Werk Principia in 1687 die von Copernicus, Galilei, Kepler entwickelten Gedanken in ein grossartiges mathematisch koherentes Gebäude vereinte, ist die moderne Wissenschaft aus der Taufe gehoben. Sie hob die Vernunft in ihr eigenes, selbständiges und von der Religion freies Reich hinüber. Es ist wirklich einmalig in der Geschichte, daß im Schoß einer herrschenden, strengen Religion die moderne Wissenschaft am Ende des Tages gegen ihren Willen geboren wurde. Dieses Wunder findet man nirgend in anderen Zivilisationen. Der Kampf, den die Wissenschaftler des Abendlands für die neue Weltanschauung konsequent geführt hatten, war zugleich auch ein Kampf für Freiheit und Toleranz. Freiheit war von vornherein nicht von oben gegeben, sie mußte vielmehr erkämpft werden. Dies ist auch ganz anders als im Osten, wo der Konformismus aus sozialen, ideologischen und poltitischen Gründen sich auf Ewigkeit aufrechterhielt und jedgliche geistige Freiheit erstickte. Es mangelt letzten Endes, wie Hegel es ausdrückte, an einem “freien und ideellen Reich des Geistes” und an “jenem freien Boden der Innerlichkeit und dem eigentlichen wissenschaftlichen Interesse, das sie zu einer theoretischen Beschäftigung macht.”

Nun, das hatte folgenreiche Konsequenz, nämlich, daß die Universitäten, welche weiterhin unter der Obhut der Theologie und Kirche standen, ihren Einfluß als Zentren der wahrhaftigen Gelehrsamkeit unwiederbringlich eingebußt hatten. Jede Dogmatisierung bringt den kreativen Geist zum Ersticken. Die industrielle Revolution anderseits, welche im folgenden 18. Jahrhundert in England mit ungeheuerer Schwungkraft began und sich auf dem Kontinent sehr rasch verbreitete, richtete sich eher nach nützlichem Wissen, was die technischen Schulen befriedigen könnten. Wissenschaften können außerdem in den neu entstandenen Akademien gedeihen. All das schien die Universitäten überflüssig zu machen.

Im Deutschland des 18. Jahrhunderts, welches die meisten Universitäten in Europa besaß, ging ihr Ruf talabwärts. Eine verbreitete Meinung forderte schließlich ja sogar ihre Abschaffung. Ihre Totesstunde schien zu läuten. Aber die Universitäten können doch nicht so einfach absterben! Die Rettung kam erstaunlicherweise gerade aus diesem rückständigen Deutschland. Weshalb? Das war als Folge des vernichtenden Stoßes, den Napoleon Bonaparte der ruhmreichen Preußischen Armee in Jena und Auerstedt in einem Tag des Jahres 1806 versetzte und damit auch dem morschen überfälligen monarchischen Regime. Écrasez l’infâme, hat Napoleon mit Stolz verkündet. Der König mußte mit seinem Stab nach Königsberg fliehen.

Gerade aus dieser demütigenden Niederlage kam die Rettungsidee auf, eine neue Universität in Berlin zu gründen, um das durch geistige Kräfte zu ersetzen, was an physischem verloren war. Wilhelm von Humboldt, ein großer Humanist und Gelehrter der Zeit, Freund von Goethe und Schiller, welcher das volle Vertrauen von Freiherr vom Stein, dem Kopf der Reform, genoß, war damit beauftragt worden. Humboldt setzte dem Zeitgeist auf unerwartete Weise einen mutigen und idealistischen Gegenwind entgegen: Die Universität muss eine Forschungsuniversität sein, und soll neue innovative, imperative Züge haben: Lehrfreiheit, Lernfreiheit, Vereinigung von Lehre und Forschung, Wissenschaft als oberstes Ziel aller Tätigkeit, Einsamskeit und Freiheit als neue Lebensweise, Lehrer und Studenten als gleichberechtigte Mitstreiter auf dem Marsch zu neuen Fronten der Wissenschaft; Wissenschaft sei etwas, was nie ganz gefunden werden könne, und deshalb solle stets weiter geforscht werden, so lautet der Humboldts Grundsatz. Akademische Freiheit soll die Seele des Universitätsbetriebes sein, dem Staat sei angeraten, sich lieber Abstand von der Universität zu halten – in seinem eigenen Interesse. Karl Jaspers’ oben zitierte  Worte beschreiben ganz eloquent den Geist und die Mission des neuen Universitätstypus.

Mit hoher Vergütung, strengem Leistungsprinzip, und wissenschaftlicher Forschung als oberstem Ziel, war die neu gegründete Universität in Berlin ein freier Markt der Ideen geworden und sie beendete infolgedessen die unter den Gelehrten bis dahin herrschende Cliquenwirtschaft. Forschungsuniversitäten öffneten der 2. Wissenschaftlichen Revolution des 19. Jahrhunderts  weite und breite Pforten. Sie wurden Brutstätte wissenschaftlicher Forschung und waren damit schrittsweise zum Machtinstrument moderner Nationalstaaten geworden.

Wilhelm von Humboldt (1767-1835)

 

Friedrich von Schiller (1759-1805)

 

Einundzwangzig Jahre vor der Berliner Gründung hatte jedoch ein berühmter Dichter die Rolle und Notwendigkeit der Forschung und des neuen Typus der Gelehrten an den Universitäten im voraus erkannt. In seiner akademischen Antrittsrede in Jena am 26. Mai 1789 – gerade nur wenige Monate vor der Französischen Revolution − Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? hielt Friedrich Schiller zwei gegensätzliche Typen des Gelehrtentums vor den Spiegel: Den Brotgelehrten und den philosophischen Kopf, und er setzte sich eingehend mit ihnen auseinander. Der Schluß seiner berühmten Antrittsrede mündete in einen dichterischen und pathetischen Appell – ja moralischen Imperativ – an das Gewissen angehender junger Akademiker, nämlich durch neue Schöpfungstaten die Weltgeschichte in Gang zu halten:

Unser menschliches Jahrhundert herbeizuführen haben sich – ohne es zu wissen oder zu erzielen – alle vorhergehenden Zeitalter angestrengt. Unser sind alle Schätze, welche Fleiß und Genie, Vernunft und Erfahrung im langen Alter der Welt endlich heimgebracht haben. Aus der Geschichte erst werden Sie lernen, einen Werth auf die Güter zu legen, denen Gewohnheit und unangefochtener Besitz so gern unsre Dankbarkeit rauben: kostbare theure Güter, an denen das Blut der Besten und Edelsten klebt, die durch die schwere Arbeit so vieler Generationen haben errungen werden müssen! Und welcher unter Ihnen, bei dem sich ein heller Geist mit einem empfindenden Herzen gattet, könnte dieser hohen Verpflichtung eingedenk sein, ohne daß sich ein stiller Wunsch in ihm regte, an das kommende Geschlecht die Schuld zu entrichten, die er dem vergangenen nicht mehr abtragen kann? Ein edles Verlangen muß in uns entglühen, zu dem reichen Vermächtniß von Wahrheit, Sittlichkeit und Freiheit, das wir von der Vorwelt überkamen und reich vermehrt an die Folgewelt wieder abgeben müssen, auch aus unsern Mitteln einen Beitrag zu legen und an dieser unvergänglichen Kette, die durch alle Menschengeschlechter sich windet, unser fliehendes Dasein zu befestigen. Wie verschieden auch die Bestimmung sei, die in der bürgerlichen Gesellschaft Sie erwartet – etwas dazu steuern können Sie alle! Jedem Verdienst ist eine Bahn zur Unsterblichkeit aufgethan, zu der wahren Unsterblichkeit, meine ich, wo die That lebt und weiter eilt, wenn auch der Name ihres Urhebers hinter ihr zurückbleiben sollte.

Ist Humboldt der geistige, humanistische Vater der Berlin Universität, so gilt Schiller als ihr moralischer Vater. Nun setzte die neue innovative und fermentierende Kultur der neuen Universitäten unbekannte schöpferisce Kräfte in den Wissenschaftlern frei. Die neue Universität ist ursprünglich an sich das Produkt deutscher idealistischer Philosophie und des Neo-Humanismus. Nach einigen Jahrzehnten ist jedoch die Philosophie, die in Hegel als Höhepunkt kulminierte, ihre Rolle an die exakten Naturwissenschaften abgetreten. Ein historischer Schichtwechsel von hoher Bedeutung hatte statt gefunden. Ein göttlicher Zufall hatte aber auch gewollt, daß gerade Alexander von Humboldt, dem Bruder von Wilhelm, die Rolle des Paten der neuen exakten Naturwissenschaften zufiel. Er war einer der meist angesehenen und einflußreichen Naturwisschaftler seiner Zeit, genoß das volle Vertrauen des Königs und den Respekt der Kollegen. Er hat zum Aufbau der neuen Wissenschaftzweige besondere Beiträge geleistet. Deutsche Universitäten und ihre Professoren avanzierten rasch zum Weltruf. Die Wissenschaften erlebten eine Phase des Sturm und Drang, welche von da an für immer und intensiver anhältet.  Ein herrliches Zeitalter bahnte sich an und Deutschland war für die Welt zum Mekka der Wissenschaft und des Universitätsmodells geworden.

Jenseits des Atlantik übernahmen nach dem Bürgerkrieg Führer bedeutender amerikanischer Colleges, von Johns Hopkins, Harvard bis zu Cornell, Stanford und Chicago, das deutsche Muster, um sog. graduate schools zu gründen und damit Colleges zu grossen Universitäten zu erweitern. Es war ein revolutionärer Schritt in der amerikanischen Geschichte höherer Bildung. Akademische Freiheit, einschliesslich der Lehrfreiheit und Lernfreiheit, als deutsches Vermächtnis, wurde dort als ein Evangelium empfunden. Eine Universität muss einheimisch verwurzelt sein; sie muss reich sein; vor allem, sie muss frei sein, wie der legendäre President Charles W. Eliot der Universität von Harvard es in seiner Amtantrittsrede in 1869 ausdrückte, während wissenschaftliche Forschung den Eckpfeiler des akademischen Lebens bildete. Forschung ist aus zwei Gründen unentbehrlich, sagte Eliot, weil zum einen eine Universität, welche kein Ort der Forschung ist, nicht länger als ein guter Ort für die Lehre bestehen kann; und zum zweiten, weil diese unablässige, stille und zielgerichtete Forschung nach Wahrheiten gerade die Bedingung für den materiellen und zugleich intellektuellen Fortschritt bietet.

Charles W. Eliot (1834-1926)

Jedoch fanden amerikanische Universitäten erst in den Jahrzehnten der Nachkriegszeit nach dem 2. Weltkrieg ihre stürmischste und vollste Entwicklung. Dort wurde Wissenschaft zur Big science entwickelt und der universal access zu den Unversitäten zum ersten Mal in der Geschichte erreicht.

Im Osten hatten Japan und China das Deutsche Universitätsmodell eingeführt, zu jeweils verschiedenen Zwecken. Humboldtsche Gedanken wurden ausdrücklich in der Peking Universität durch die Persönlichkeit von Cai Yuanpei, der anfangs des 20. Jahrhunderts als führender und brilliantester Gelehrter Chinas mehrere Jahre in Deutschland zum Studium verbracht hatte, neu eingepflanzt, um die alte verottete Kultur auszulöschen, und die neue Wissenschaft frisch zum Gedeihen zu bringen, so hoffte er, während das Meiji Japan die Universität zum grossen Teil als Kaderschmiede für den dringenden Aufbau des neuen Staates benutzte. Grundlagenwissenschaften wurden in bestimmtem Ausmaß für die Zukunft auch betrieben.

Heutzutage, in der Zeit der Globalisierung, findet im Westen wie vor allem in Osten ein nie dagewesenes grosses Wettrennen der Universitäten statt. Asiatische Nationen, vor allem China, mit fortschreitendem Wohlstand, erkennen mehr denn je die Schlüsselrolle der Universität im Wettbewerb der high-tech-driven Wirtschaft und in der Bildung neuer Klassen universellerer Führungskräfte in allen gesellschaftlichen Bereichen. Sie investieren große Ressourcen in den akademischen Betrieb. Asiatische Nationalstaaten wollen das Niveau ihrer Elitenuniversitäten denen des Westens angleichen. Wer später kommt, wird dafür bestraft. Das ist zum Schluss des Buches die Botschaft an Vietnam, dessen Universitätswesen noch sehr defizitär ist, sowohl den Maßstäben der Gelehrsamkeit weit fern liegt, dem hohen geistigen Potential des Volkes nicht gerecht ist, als auch die längst überfällige Industrialisierung des Landes  nicht fördert. Geschichtlich gesehen stehen wir, wie Newton einmal sagte, auf den Schultern unzähliger großer und kleinerer Riesen. Wir können viel mehr und weiter sehen. Ob wir das aber tun oder nicht, ist unsere Wahl – mit entsprechenden Konsequenzen.

 

Die Rückseite: Auszüge aus dem Lob der Wissenchaftler für das Buch

 

INHALTSVERZEICHNIS

 

Einführung. Ein geschichtlicher Überblick

TEIL 1 GESCHICHTE

  1. Geschichte der Universität:
    ▪ Vorwort
    ▪ Universitäten im Mittelalter. Ihre Entstehung und Mission
    ▪ Die Humboldts Universität Berlin (1810). Ein revolutionäres Modell
    ▪ Ihre Weltgeltung
    ▪ Universitäten im heutigen Kontext
    ▪ Universitäten in Vietnam
    ▪ Schluß
  2. China und Japan: Der Import des Deutschen Universitätsmodells
  3. Humboldt oder Mythos? Und der Schichtwechsel zwischen Philosophie und Naturwissenschaften im 19. Jahrhundert
  4. Bildung: Exzerpte aus den Studien: Humboldt▪ Hegel▪ Adorno▪ Arendt▪ Oppenheimer▪ Chomsky
  5. Über den Ursprung und die Rolle der Universität (Eine Rede des Autors)
  6. Universität und die Vernunft im Mittelalter
  7. Die Schule der Vernunft (In Anlehnung an Friedrich Nietzsche)

TEIL 2 HISTORISCHE DOKUMENTE

  1. Werner Jaeger, Paideia oder die Antike Griechische Bildung
  2. Wilhelm von Humboldt, Über die innere und äußere Organisation der höheren wissenschaftlichen Anstalten in Berlin. (Übersetzt von Nguyễn Tiến Bình und Nguyễn Xuân Xanh)
  3. Gerhard Casper, Vorteile der forschungsintensiven Universität − Universitäten im 21. Jarhundert. (Übersetzt von Trương Văn Tân und Nguyễn Xuân Xanh)
  4. Friedrich Schleiermacher, Gelegentliche Gedanken über Universitäten im deutschen Sinn (Auszüge)
  5. Johann D. Michaelis, Über die Bedeutung protestantischer Universitäten in Deutschland (Auszüge)
  6. Friedrich Paulsen, Lehrfreiheit – Der Stolz der Deutschen Universität
  7. Karl Jaspers, Die Idee der Universität
  8. Jürgen Habermas, Die Idee der Universität
  9. Clark Kerr, Die Idee der Multiversität

TEIL 3 ESSSAYS

  1. Über Clark Kerrs Buch Der Nutzen der Universität
    ▪ Amerikanische Universitäten. Ihre Entwicklungsgeschichte
    ▪ Clark Kerr. Eine Biographie
    ▪ Amerikanische Colleges. Ihre Entstehung und Mission
  2. Richard C. Levin, Der Aufstieg asiatischer Universitäten. (Übersetzt von Phạm Thị Ly)
  3. Über Ben Wildavskys Buch Die große Konkurrenz um die Besten. Wie globale Universitäten die Welt umgestalten.
  4. Über Donald Kennedys Buch Die Akademische Verpflichtung

Für eine ausführlichere Vorstellung in Vietnamesisch siehe Giới thiệu sách ĐẠI HỌC của Nguyễn Xuân Xanh

Nguyễn Xuân Xanh ist Autor, Übersetzer, Herausgeber und Mit-Herausgeber einer Buchreihe, neben zahlreichen Aufsätzen, über Wissenschaftsgeschichte, Bildung und Aufklärung, u.a. Deutschland im 19. Jahrhundert (2004), EINSTEIN (2007), Einsteins Spezielle und Allgemeine Relativitätstheorie (2014), Albert Einstein − die Menschliche Seite (2016), Brief an die vietnamesichen Reichen (2016), Festschriften für Max Planck (2008), 400 Jahre Astronomie und Galilei (2009), 150 Jahre Evolutionstheorie und Darwin (2009), Humboldt Universität zu ihrem 200jährigen Bestehen (2010), Higgs Partikel (2013), sowie mehrere Bücher über die Meiji Reform anlässich ihres 150jährigen Bestehens (2018). Mehrere von den Büchern sind mit Preis ausgezeichnet, worunter EINSTEIN mit dem nationalen “Golden Preis für Gute Bücher 2008”.